Argentinien und die Nazis

Argentinien und die Nazis – eine Geschichte von Kriegsverbrechen und Beziehungen

Argentinienexperte Prof. Dr. Haim Avni in Linz

Viele Nazikriegsverbrecher sind nach dem Ende des 2. Weltkrieges über die so genannte  „Rattenlinie“ nach Argentinien geflüchtet. Aber warum hat das südamerikanische Land so viele von ihnen aufgenommen? Dieser Frage ist am 21. Juni 2011 der renommierte Argentinien-Experte Prof. Haim Avni bei einem Vortrag in der Linzer Synagoge nachgegangen. Der Jerusalemer Universitätsprofessor mit Wiener Wurzeln war einer Einladung der Österreichischen Freunde von Yad Vashem gefolgt. Die Veranstaltung kam in Zusammenarbeit mit der IKG Linz zustande.

In seinem Vortrag ging Avni zuallererst auf die deutsche Minderheit in Argentinien ein, die sich schon vor der Zeit des Dritten Reiches von der übrigen Einwohnerschaft abgesondert hatte. Viele hätten die Nazidiktatur unterstützt, auch wenn etwa die einflussreichste deutschsprachige Zeitung in Argentinien ein distanziertes Verhältnis zu Nazi-Deutschland gehabt habe. Die Militärdiktatur unter Peron habe schließlich den Kontakt zum nationalsozialistischen Deutschland gesucht, um an Waffen zu gelangen. Der Grund: Erzrivale Brasilien war von den USA aufgerüstet worden, weil es – im Gegensatz zu Argentinien – an der Seite der Alliierten in den Krieg eingetreten war. Die erhofften Waffenlieferungen aus Nazi-Deutschland seien zwar nicht zustande gekommen. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges habe Argentinien aber viele Deutsche wegen ihres Know-How´s aufgenommen. Mit einer Legende räumte Argentinienexperte Avni in seinem Vortrag auf: So etwas wie eine Geheimorganisation ODESSA („Organisation der ehemaligen SS-Angehörigen“) habe es insbesondere in Argentinien nie gegeben. Dies sei eine Schöpfung der Literatur. Die Nazi-Kriegsverbrecher hätten sich in Argentinien jedoch nicht konspirativ organisiert. Sie seien dorthin geflohen, weil die begangenen Kriegsverbrechen in Argentinien schlicht nicht geahndet wurden.

Zu dem hochinteressanten Vortrag hatte Präsident DI George Wozasek in die Linzer Synagoge eingeladen. Es waren mehr als 90 Gäste gekommen. 

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