27.10.2010

Univ.-Prof. Dr. Ruth Klüger liest in Linz

Am 27. Oktober 2010 hielt die vielfach preisgekrönte Autorin, Literaturwissenschaftlerin und Holocaust-Überlebende, Frau Univ. Prof. Dr. Ruth Klüger, auf Einladung der Österreichischen Freunde von Yad Vashem eine Lesung in Linz. Vor 150 Zuhörern trug sie in der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz ausgewählte Texte aus ihren Büchern vor.

 

 

Ruth Klüger, 1931 in Wien geboren, erfuhr in ihrer Kindheit die systematische Ausgrenzung der Juden aus dem öffentlichen Leben. Als Elfjährige wurde sie ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und überlebte auch die Gräuel in Auschwitz und Christianstadt.

Nachdem sie 1947 mit ihrer Mutter in die USA ausgewandert war, studierte sie dort Bibliothekswissenschaften und Germanistik. Ruth Klüger war Professorin unter anderem an der Princeton University sowie auch an der Universität Göttingen, arbeitete als Literaturwissenschaftlerin und schrieb mehrere Bücher.

In ihrer Lesung nahm sie die Zuhörer in verschiedene Etappen ihres Lebens mit: man war mit dabei, wie die Mutter der Autorin „tröpfchenweise vom Leben verlassen wurde“, wie die fast Hundertjährige in ihren letzten Lebensjahren die Schrecken der NS-Zeit, die Qualen der Konzentrationslager vergessen konnte und schließlich gemeinsam mit ihrer vierjährigen Urenkelin eine Art zweite Kindheit erlebte.

Geradezu leichtfüßig führte Ruth Klüger die Zuhörerschaft ins Wien der 2. Republik, wohin sie als ehemals Unerwünschte und Verfolgte zurückgekehrt war. Als scharfe Beobachterin schilderte sie ihre Konfrontation mit alten Wunden, wie sie Déjà-vu um Déjà-vu erlebte, aber auch das Unverständnis für Wiens saloppen Umgang mit Wegbereitern des Nationalsozialismus.

In Klügers Bericht über eine Kreuzfahrt fand man sich unvermittelt in einen gedanklichen Diskurs mit der Autorin verwickelt, die bei Landausflügen angesichts der Armut der dort lebenden Menschen ihre Scham über den Luxus an Bord nicht verbergen konnte. In schonungsloser Ehrlichkeit und Authentizität schilderte die zierliche Universitätsprofessorin, wie sie von der „Jauche der Vergangenheit“ nicht loskomme.

Ruth Klügers Lesung vermochte weit mehr, als den Zuhörern nur einen Einblick in ihr Leben zu vermitteln. Die Kunst ihrer Sprache hinterließ vielschichtige Bilder in den Köpfen, wie sie nicht einmal ein Film vermitteln kann.

(Georg Schuster)

Bücher von Ruth Klüger:
weiter leben. Eine Jugend
unterwegs verloren
Was Frauen schreiben

Fotos von der Abendveranstaltung

Besuch im Lern- und Gedenkort Hartheim am Vortag