08.06.2010

Generalversammlung 2010

250 geladene Gäste fanden sich am 8. Juni 2010 zur 7. General-versammlung der Österreichischen Freunde von Yad Vashem in Linz ein. Ehrengäste des Abends im Redoutensaal des Landestheaters waren
Wiens Erzbischof, Kardinal Dr. Christoph Schönborn, der evangelische Bischof A.B. Dr. Michael Bünker, Israels Botschafter in Österreich,
Aviv ShirOn, Oberösterreichs Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer, sowie Yad Vashems Direktor für internationale Beziehungen, Shaya Ben Yehuda.
Die Fachvorträge des Abends behandelten die „Auseinandersetzung der christlichen Kirchen Österreichs mit der Zeit des Nationalsozialismus“.

Günther Schuster

Vorsitzender Günther Schuster stellte das entschiedene Auftreten gegen Antisemitismus in seiner alten wie neuen Form in den Mittelpunkt seiner Begrüßungsrede. Das Erinnern an die Verbrechen der Shoah sei tagesaktuell und nicht eine Aufgabe, die nach rückwärts gerichtet ist. In Österreich bestehe eine Verpflichtung gegenüber den Opfern des Holocaust und gegenüber den Überlebenden, von denen sich viele nach ihrer Flucht  in Israel eine neue Existenz aufbauen mussten. Die Verantwortung gegenüber den Opfern der Shoah sei auch die Motivation für die Arbeit im Freundeskreis. 

Shaya BenYehuda

Yad Vashems Direktor für internationale Beziehungen, Shaya Ben Yehuda, erzählte von seinem Vater, der 1938 vor den Nazis aus Wien flüchten musste und als britischer Soldat zurückkehrte. Sein Vater habe nie berichtet, was er in Österreich unter nationalsozialistischer Herrschaft erdulden musste. Er habe nur so viel gesagt: „Dort haben wir keine Freunde!“ Dass so viele Gäste zur österreichischen Generalversammlung gekommen seien und Yad Vashem unterstützen, wäre für seinen Vater eine große Überraschung gewesen, so Ben Yehuda: „Denn dann hätte er gesehen, dass wir heute in Österreich viele Freunde haben!“

O-Ton Shaya Ben Yehuda>

S.E.Aviv ShirOn

Israels Botschafter in Österreich, Aviv ShirOn, sprach über die jüngste Ehrung von Österreichern, die Juden unter Lebensgefahr vor den Nationalsozialisten gerettet hatten. Maria und Johann Schatz aus St.Georgen/Gusen waren eine Woche zuvor im Parlament posthum zu Gerechten unter den Völkern ernannt worden. Dies sei die höchste Auszeichnung, die der Staat Israel an Ausländer vergebe – und sie werde von Yad Vashem verliehen. Die Unterstützung durch Freundeskreise in aller Welt sei für Yad Vashem inzwischen unentbehrlich geworden. Als Israels Botschafter in Österreich sei er stolz darauf, dass hier ein sehr aktiver und effizienter Freundeskreis tätig sei, so ShirOn.

Dr. Josef Pühringer

Oberösterreichs Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer eröffnete seine Rede mit den Worten des früheren deutschen Bundespräsidenten Roman Herzog, man müsse immer und immer wieder nach einer neuen Sprache gegen das Vergessen suchen. Yad Vashem spreche diese Spache – indem es den Opfern wieder einen Namen gebe. Pühringer bezeichnete es als einen der bewegendsten Momente, wenn man in Yad Vashem das Kinderdenkmal betrete, wo die Namen der eineinhalb Millionen ermordeten Kinder verlesen werden. Yad Vashem sei natürlich auch der Ort, wo man dem Bösen, den Tätern, gegenüberstehe. Man müsse sich fragen, wie Politik und Gesellschaft in Deutschland und Österreich soweit verkommen konnten, dass sie einen Völkermord planen und durchführen konnten. Die persönliche Schuld haben die Täter mit ins Grab genommen, so Pühringer. Die Folgen ihrer Schuld seien jedoch für die Nachgeborenen Auftrag und Verantwortung.

Dr. Michael Bünker

Der evangelische Bischof Dr. Michael Bünker zog eine Parallele von der „Lebenslüge“ der Zweiten Republik, wonach Österreich das erste Opfer Hitlers gewesen sei, zu einer „evangelischen Lebenslüge“. Viele evangelische Österreicher hätten den Anschluss an das Deutsche Reich mit großer Begeisterung begrüßt und gefeiert, so Bünker. Für die einen sei der alte, „großdeutsche Traum“ in Erfüllung gegangen, für die anderen sei es die Vereinigung mit dem Mutterland der Reformation gewesen. Bald sei die Begeisterung einer Ernüchterung gewichen. Aber dennoch sei auch gegen Kriegsende aufkeimende Kritik, verfasst in Hirtenbriefen, in vielen Gemeinden gar nicht erst verlesen worden.
Nach 1945
wurden der Evangelischen Kirche in Österreich ein gestörtes Verhältnis zum Judentum und nur eine eingeschränkte Lernfähigkeit bescheinigt. 1965 habe ein Synodenwort erstmals den Antisemitismus verurteilt, sei aber nicht auf die Mitschuld der Kirche eingegangen und habe überhaupt keine Wirkung in den Gemeinden gehabt, so Bünker. Erst 1998 habe die Evangelische Kirche A.B. eine Erklärung verabschiedet, in der die Mitschuld der Christen und Kirchen am Leiden und Elend von Juden deutlich ausgesprochen wurde. 2003 schließlich sei der Präambel der Kirchenverfassung noch die Feststellung zugefügt worden, dass beide evangelischen Kirchen in Österreich die bleibende Erwählung Israels als Gottes Volk bekennen.

Dr. Christoph Schönborn

Kardinal Dr. Christoph Schönborn leitete seinen Vortrag mit der Mahnung des Propheten Jesaja ein: „Weder bei Tag noch bei Nacht dürfen sie schweigen!“. Diese Mahnung sei heute bedeutsam wie eh und je, aber zugleich so schwierig zu befolgen wie kaum je zuvor. Denn mit dem Heimgang der letzten Überlebenden von damals schwinde auch viel an persönlicher Betroffenheit. Aber die Verirrungen des Denkens, die damals in die Dunkelheit geführt haben, seien noch immer nicht überwunden.
Dass auch die christlichen Kirchen hier nach wie vor viel zu tun haben, stehe außer Frage, so Schönborn. Die Anfänge seien sehr zögerlich und religiös belastet gewesen. Und die katholische Kirche habe sich sehr schwer getan, das Offenkundige neu zu akzeptieren: wer Christ sein wolle, müsse sich der jüdischen Wurzeln seines Glaubens bewusst sein, müsse sie lieben und hochschätzen. Noch heute frage er sich, wie viel Breite und Selbstverständlichkeit diese zentrale Botschaft unter vielen seiner Glaubensgeschwister zugelegt habe, so Schönborn.
Weit über Österreich hinaus bedeutend seien aber die Beschlüsse der Wiener Diözesansynode 1970 gewesen, in denen die Untrennbarkeit von Judentum und Christentum zum Ausdruck kam. Offener als jeder andere vor ihm habe jedoch Kardinal König die Mitschuld der Kirche auf den Punkt gebracht: „Als katholische Christen müssen wir eingestehen, dass auch kirchliche Kreise Schuld auf sich geladen haben, als sie einem religiös verbrämten Antisemitismus Raum gaben. Jene Geisteshaltung der Ablehnung und der Feindschaft... war eine der Voraussetzungen dafür, dass die vom NS-System in Gang gesetzte Massenvernichtung der Juden auf einen zu geringen Widerstand stieß. Mit Bedauern müssen wir feststellen, dass sich viele Katholiken…das große Wort des großen Papstes Pius XI. nicht zu eigen gemacht haben: ‚Geistlicherweise sind wir alle Semiten“.

In einer multimedialen Präsentation stellte Generalsekretärin Ulrike Schuster die Aufgaben der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem vor. Auch die vielfältigen Tätigkeiten des österreichischen Freundeskreises wurden darin eingehend präsentiert.

 

Ein kurzer Rechnungs-bericht sowie die Entlastung der Kassierin gaben Einblick in die Finanzgebarung des Vereins.
Musikalisch wunderschön umrahmt wurde der Abend von vier jugendlichen Streichern aus Oberösterreich, allesamt „Prima la Musica“ - Preisträger.

Anschließend ergaben sich bei einem üppigen Buffet mit schmackhaften Brötchen, koscherem Wein sowie kühlem Bier, aber auch beim Genuss von süßen Köstlichkeiten neue Kontakte und viele interessante Gespräche, die bis lang nach Mitternacht anhielten.

Bischof Bünker | Kardinal Schönborn
Dir. Shaya Ben Yehuda | Landeshauptmann Pühringer
G. Schuster | Arik RavOn | Botschafter ShirOn
LSR-Präsident Enzenhofer | NRAbgeordnete Lichtenecker | SPÖ-Klubobmann Frais | Consul Fuchshuber
Botschafter ShirOn | NRAbgeordnete Hagenhofer
G. & U. Arthofer | G.Schuster | Bischof Schwarz
NRAbg. Kirchgatterer | Superintendent Lehner
U. Schuster | Consul Fuchshuber | KR R.Steindling
LTAbg Buchmayr | Dr. W.Schuster
AK-Vizepräsidentin Lengauer
Kardinal Schönborn | G.Arthofer | G.Schuster | Landeshauptmann Pühringer
Bischof Bünker | Bgm Manzenreiter, Villach | Bischof Aichern
G. & U.Schuster | Kardinal Schönborn
VizeBgm Wimmer, Wels & Gattin
Direktor Moshe Jahoda & Sohn, Wien-Israel
Arik RavOn | Shaya BenYehuda | IKG-Präsident Feingold, Salzburg
H.Feingold | IKG-Präsident Wozasek, Linz | C.Lang
GF Grüne Kärnten F.Frey | G.Schuster
Shaya BenYehuda | Gen. Kaser | Obst. Barthou | Prof. Gstettner | Mjr. Oberreiter
Prinz W.Liechtenstein | A.RavOn | Mirjam & Georg Schuster
Kardinal Schönborn | HR Lengheimer | K.Mittermayr | Botschafter ShirOn
KR Steindling | BenYehuda | Kardinal Schönborn
G. & U.Schuster | Prof. E.Lazarovits, Budapest
G.Arthofer | Landeshauptmann Pühringer
A.RavOn | Prinz W.Liechtenstein
G.Schuster | Prof.K.Rosenkranz | Bischof Bünker
Univ.-Prof. Gstettner, Klagenfurt | G.& U.Schuster
LSR-Präsident Enzenhofer | PH-Rektor Schachl
U.& G.Arthofer | S.BenYehuda
M.Arthofer-Raab | Bischof Schwarz
Fam.Zychlinski, Israel | Fam.Schatz (Nf. der "Gerechten" Schatz)
G.Schuster | Landeshauptmann Pühringer
Bischof Bünker | Superint.Lehner | Landeshauptmann Pühringer | S.BenYehuda
Botschafter ShirOn | U.Schuster
KR F.Steindling | Botschafter ShirOn
Univ.-Prof. Sandgruber | HR Lackinger
B.Kreuzhuber | HR Steininger
M.Arthofer | Kardinal Schönborn | Obst. Barthou
Fam. Eiter | Univ.-Prof. John
H.Wildfellner,VHS | Dr. Wassermann | Botsch. ShirOn
U.Arthofer | PH-Rektor Schachl | Vizerektor Keplinger
Buffet
Fam. Kutzenberger | Fam. Bauernberger
KR Feyer & Gattin | U.Schuster
A.RavOn | Ch.Raab
N.König | P.Weidner | A.Maislinger
E.Zwieb | M.Spiessberger
S.Witzany-Durda | P.Willnauer | M.Gammer
G.Schuster | M.Ratzenböck
Fam.Traxlmayr

Fam.Raab
H.Wildfellner | H.Griebl-Shehata | HR Lackinger
P.Weidner | Präsident Wozasek
G.Schuster | H.Paul
U.Arthofer | K.Rosenkranz
A.RavOn | H.Jobst | Botschafter ShirOn
Fam. Schlackl
St.Raab | S.Raab | Prof.E.Lazarovits
S.BenYehuda | G.Schuster
B.Kreuzhuber | HR Steininger | G.Schuster
F.K.Juracka | F.Reif-Breitwieser
L.Tuttle-Weidinger
F.Humer | R.Patocka
Dr.M.Gollner | Consul Fuchshuber
M.Eggerstsberger | A.Steinbock
Prof.E.Lazarovits | Landeshauptmann Pühringer