Generalversammlung 2009 in Linz

200 Mitglieder und Gäste nahmen am Abend des 5. März 2009 in Linz an der diesjährigen Generalversammlung der Österreichischen Freunde von Yad Vashem teil. Ehrengäste des Abends waren die Erste Präsidentin des Nationalrates, Mag. Barbara Prammer, weiters Israels Botschafter in Österreich, Dan Ashbel, Österreichs Botschafter in Israel, Mag. Michael Rendi und die Erste Präsidentin des oö. Landtages, Angela Orthner. Sie war in Vertretung von Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer gekommen. Auch Yad Vashems Direktor für deutschsprachige Länder, Arik RavOn, richtete seine Grußworte an die Versammlung.

Den Festvortrag im Redoutensaal des Linzer Landestheaters hielt der bekannte Autor, Journalist und Kolumnist Hans Rauscher.

Günther Schuster (Vorsitzender)

Nach der Begrüßung der Ehrengäste durch Generalsekretärin Ulrike Schuster verwies Vorsitzender Günther Schuster in seinen einleitenden Worten auf Israels immer noch andauernden Überlebenskampf und rief dazu auf, gegen ungerechtfertigte Kritik am jüdischen Staat aufzutreten.

Er appellierte darüber hinaus, Yad Vashem trotz der gegenwärtigen Wirtschaftskrise weiterhin zu unterstützen. Österreich brauche die Erinnerung an die Shoah – ganz besonders in Zeiten, in denen Holocaustleugner und -verharmloser wieder verstärkt auftreten.

Schuster kritisierte in diesem Zusammenhang das Treffen extrem rechter Burschenschafter, das zwei Tage nach der Generalversammlung in denselben Räumen des Landes stattfinden sollte. Das sei besonders in einem Wahljahr kein gutes Signal.

Direktor Arik RavOn

Yad Vashems Direktor für die deutschsprachigen Länder, Arik RavOn, bezeichnete in seinen Grußworten das Engagement des Österreichischen Freundeskreises als beispielhaft. Was hier geschehe, werde in Yad Vashem nicht als selbstverständlich angesehen. Die Erinnerung zu wahren, die Leute zu mahnen und die junge Generation zu erziehen, sei in diesen Tagen sehr wichtig. Wenn Yad Vashem seine Aufgaben nicht wahrnehme, dann werde es bald salonfähig sein, den Holocaust zu leugnen oder zu verharmlosen. Direktor RavOn rief alle Anwesenden dazu auf, Mitglieder zu werden und die Erinnerungsarbeit der Gedenk-, und Forschungsstätte nach Kräften zu unterstützen.

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Angela Orthner (OÖ. Landtagspräsidentin)

Die oberösterreichische Landtagspräsidentin Angela Orthner hob die Bedeutung Yad Vashems für Ober-österreich hervor. Die Gedenkstätte stehe für eine Schuld, die nicht vergeben werden könne und die nicht vergessen werden dürfe.
Orthner betonte aber auch das Engagement des Landes Oberösterreich in der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. Sie spannte den Bogen von der Erhaltung zahlreicher Gedenkstätten national-sozialistischer Verbrechen bis hin zur beständigen Pflege der Kontakte zu Holocaust-Überlebenden mit oberösterreichischen Wurzeln.
Die Landtagspräsidentin betonte, dass es besonders in der heutigen Zeit wichtig sei, hellhörig zu sein und verwies auch darauf, dass Oberösterreich als einziges Bundesland bilaterale Abkommen mit Israel in den Bereichen Kultur und Wissenschaft geschlossen habe.

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Mag. Michael Rendi (Österr. Botschafter)

Österreichs Botschafter in Israel, Mag. Michael Rendi ging auf seine Botschaftertätigkeit vor dem Hintergrund der dunklen Vergangenheit Österreichs ein. Die Institution Yad Vashem spiele in seiner Arbeit eine wichtige Rolle – vor allem bei den Besuchen offizieller Vertreter Österreichs in Israel.
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit sei aber auch der Kontakt zu Holocaust-Überlebenden. Die meisten von ihnen stünden in einem inneren Spannungsfeld: einerseits der verklärte Blick auf die alte Heimat Österreich, andererseits das erlebte Grauen der Shoah. Die Treffen mit diesen Menschen seien sehr warme und positive Begegnungen.
Schwieriger gestalte es sich hingegen, einen Zugang zu den Kindern der Überlebenden zu finden. Sie kennen den Holocaust nicht aus eigener Erfahrung und bekamen von ihren Eltern vor allem die dunkelsten Erinnerungen vermittelt. Gute Kontakte gebe es allerdings wieder zur dritten Generation, die recht unvoreingenommen sei.

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Dan Ashbel (Israels Botschafter)

Dan Ashbel, Botschafter Israels in Österreich, bezeichnete die jährliche Generalversammlung der Österreichischen Freunde von Yad Vashem als Fixtermin im öffentlichen Kalender Österreichs. Vorstand und Mitglieder würden einen wichtigen historischen und gesellschaftlichen Beitrag leisten.
Es sei auch heute noch immer notwendig, das Wissen und das Bewusstsein über die Shoah zu verbreiten, um die zu erreichen, die nicht wissen wollen. Der Freundeskreis leiste hier äußerst wichtige Arbeit. Der Antisemitismus existiere nach wie vor, sowohl der alte als auch der neue. Der Unterschied sei nur, dass der neue Antisemitismus Israel als den „Kollektivjuden" darstelle, der an allem Übel im Nahen Osten Schuld sei. Es gebe in der Welt immer noch Menschen, denen ein souveräner jüdischer Staat nicht in den Kram passe.
Der Einsatz, die Verpflichtung und die Arbeit der Österreichischen Freunde von Yad Vashem seien von allerhöchster Wichtigkeit und Bedeutung, so Botschafter Ashbel.

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Ulrike Schuster (Generalsekretärin)

In einer Multimediapräsentation stellte Generalsekretärin Ulrike Schuster anschließend die umfangreiche Tätigkeit des Freundeskreises vor. Sie spannte den Bogen von den vielfältigen Aufgaben der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, Jerusalem bis hin zu den zahlreichen Projekten, mit denen der österreichische Freundeskreis diese unterstützt.

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Mag. Barbara Prammer (Nationalratspräsidentin)

Als nächstes ging Nationalratspräsidentin Mag. Barbara Prammer auf das Verdrängen der Erinnerung an den Nationalsozialismus ein. In Österreich sei Gedenken und Erinnern über viele Jahrzehnte scheinbar unmöglich gewesen, so Prammer. Auch sie habe in ihrer Schulzeit nichts von den Verbrechen der Nazizeit erfahren. Allzugerne sei in Österreich das Selbstverständnis bemüht worden, man wäre das erste Opfer Hitlerdeutschlands gewesen.

Erst in den 1990er Jahren habe das offizielle Österreich zu einer Neubestimmung und deutlichen Positionierung im Umgang mit der Geschichte gefunden – ein Grundkonsens, zu dem man sich nur mühsam durchringen konnte und hinter den es keinen Schritt zurück geben dürfe, so Prammer. Diese Feststellung führe unweigerlich zur Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und Antisemitismus. Österreich brauche zudem über die Politik hinaus eine kritische Öffentlichkeit.
In der politischen Debatte gehe es nicht nur um die strafrechtliche Verfolgung der Holocaust-Leugnung oder Wiederbetätigung. Das Verbotsgesetz als Reaktion auf die Schrecken der nationalsozialistischen Herrschaft sei ein Grundpfeiler der Zweiten Republik und von großer symbolischer Bedeutung. Man dürfe aber die Grenze des Erträglichen und des gesellschaftlich Erwünschten nicht mit den Grenzen des Strafrechts gleichsetzen, so Prammer unter spontanem Beifall. Die Frage könne nicht sein, ob jemandes Verhalten – auch das eines Politikers - von strafrechtlich verfolgbarer Relevanz sei oder nicht. Vielmehr müsse man sich fragen, welche Meinungen der Betreffende durch seine politische Tätigkeit fördere, welches Geschichtsbild damit für zulässig erklärt werde und welchem Umfeld dies diene.

Es gebe in den letzten Jahren in Österreichs Bevölkerung ein Umdenken zum Thema Holocaust, die Zeitgeschichte werde aber immer noch zu wenig behandelt. Präsidentin Prammer dankte schließlich dem Freundeskreis für sein Engagement und seine vielen Aktivitäten.

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Hans Rauscher

Der Fachreferent des Abends, der bekannte Buchautor, Journalist und Kolumnist Hans Rauscher, ging in seinem Vortrag auf die Wahrnehmung des Holocaust in den Medien der Zweiten Republik ein. Diese Wahrnehmung sei immer ein Spiegelbild der österreichischen Bewusstseinslage gewesen, so Rauscher. In der unmittelbaren Nachkriegszeit habe es Zehntausende Verfahren, Tausende Verurteilungen und auch 30 Todesurteile gegeben, aber keine tiefe Auseinandersetzung. Es galt die Opferthese. Die Menschen seien durch den Überlebenskampf abgelenkt gewesen, und eine eingehende Auseinandersetzung mit dem Geschehenen hätte sie womöglich zusammenbrechen lassen. Auch als die ehemaligen Nazis 1949 wieder wählen durften, kam es zu keiner echten Befassung in der Öffentlichkeit. Im Privatleben wurde meist ebenso geschwiegen.

In den 1960er Jahren habe der Fall Borodajkewycz für die erste wütende Auseinandersetzung gesorgt. Tausende Studenten demonstrierten gegen den antisemitischen Professor - aber auch tausende für ihn, so Rauscher. Gleichzeitig gab es zahlreiche Freisprüche in KZ-Prozessen, die in der Öffentlichkeit aber nur als Kriminalfälle dargestellt worden seien. Die moralische und politische Dimension sei von den Medien nicht herausgearbeitet worden.

In den 1970er Jahren habe Kanzler Bruno Kreisky die Versöhnung mit dem Dritten Lager angestrebt. Viele KZ-Prozesse seien niedergeschlagen oder wegadministriert worden.

In der späteren Kreisky-Wiesenthal-Peter-Affäre habe es dann erstmals eine vertiefte Auseinandersetzung gegeben. Es sei der Mythos aufgebrochen worden, dass die Waffen-SS sauber gewesen sei. Eine neue Journalistengeneration und eine neue Historikergeneration habe begonnen sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

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Der große Bruch, die große Katharsis sei etwa zehn Jahre später gekommen: der Fall Waldheim. Erstmals meldeten sich in einigen Medien Stimmen zu Wort, die sagten, es sei unmöglich, dass der Bundespräsident eines demokratischen Staates behaupte, er habe in der Armee eines verbrecherischen Regimes nur seine Pflicht getan. Leserbriefe, die darauf reagierten, seien zu einem hohen Prozentsatz für Waldheim und auch offen antisemitisch gewesen. Dennoch habe hier eine Wendung stattgefunden.

Bundeskanzler Vranitzky habe aus dem Fall Waldheim seine Schlüsse gezogen und viele Medien sowie manche Politiker hätten sich erstmals darum bemüht, die moralische und die politische Dimension des Holocaust zu verstehen, klarzumachen und eine Lehre daraus zu ziehen.

Immer offener seien die Medien an dieses Thema herangegangen, spannte Rauscher den Bogen zur Gegenwart. In den letzten Jahren habe sich die Debatte zuerst um Restitution gedreht. Dann sei von rechten Intellektuellen und konservativen Medien immer mehr die Aufhebung des Verbotsgesetzes thematisiert worden. (Dieses Gesetz stellt die Leugnung des Holocaust und die NS-Wiederbetätigung unter Strafe, Anm. d. Red.) Der Umgang mit dem Holocaust zeige auch grundsätzlich das Verständnis von Demokratie.

Schließlich nahm Rauscher auch Stellung zum Rechtsruck bei den jüngsten Nationalrats- und Landtagswahlen in Österreich. Es scheine insbesondere die Jungwähler nicht besonders zu stören, dass die Haltung der Rechtsparteien zum Holocaust bestenfalls eine formale Anerkennung sei. Die gegenwärtige Wirtschaftskrise wirke sich zwangsläufig auf jene Jugendlichen aus, die keine Perspektiven sehen. Man müsse sich nun auf neue Gegebenheiten einstellen und in manchen Bereichen mit der Aufklärungsarbeit neu beginnen. Das sei für ihn nach Jahrzehnten im Journalismus, wo dieses Thema eine sehr große Rolle gespielt habe, entmutigend, so Rauscher. Aber es gebe immer eine Gegenbewegung und die gelte es zu unterstützen. Insbesondere in den Medien seien jüngere Opinion-Leader vonnöten. Man müsse den engagierten Journalisten, denen die Auseinandersetzung mit dem Holocaust etwas bedeutet, Mut machen. Es sei ein Kampf um die Köpfe, der niemals aufhöre.

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Bischof Maximilian Aichern, Präs. DI. George Wozasek, Chr. Lang, Ulrike & Günther Schuster
Nat.Präs. Prammer, Botsch. Rendi, Frau Woelker
Melanie Arthofer, G. Schuster

Im Anschluss an diesen Vortrag gab es einen kurzen Rechnungsbericht und daraufhin erfolgte die Entlastung der Kassiererin Melanie Arthofer.

Nat.Präs. Prammer, Dir. RavOn
Lt.Präs. Orthner, Dir. RavOn
U, & G. Schuster, Dir. RavOn
U. & G. Schuster, Gen.Sekr. Dr. S. Shaked

Als Dank für die Unterstützung der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, Jerusalem und in Anerkennung ihres Engagements gegen Antisemitismus in Österreich, überreichte Direktor Arik RavOn Buchgeschenke an Nationalrats-präsidentin Mag. Barbara Prammer und Landtagspräsidentin Angela Orthner.


Auch der österreichische Freundeskreis erhielt ein Präsent als Dank für die bisher geleistete Arbeit.

Die Generalsekretärin der Österreichisch-Israelischen Gesellschaft, Dr. Susanne Shaked, überbrachte ein Buchgeschenk für die Mediathek des Freundeskreises.

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Ensemble "Gmundner Streich"

Die musikalische Gestaltung kam vom Ensemble „Gmundner Streich", das mit klassischen Klängen zur festlichen Umrahmung des Abends beitrug.

Nach dem Abschluss des offiziellen Teiles wartete ein üppiges Buffet auf die Gäste. Es gab regen Austausch und viele neue Kontakte konnten geknüpft werden. Auch nach Mitternacht wurden noch intensive Gespräche geführt.

 

Die Generalversammlung war auch in diesem Jahr wieder ein großer Erfolg.

Rendi, Orthner, Ashbel & Gattin, Prammer, G. & U. Schuster
Orthner, Schuster, Prammer
Landesdir. ORF.OÖ. Dr. H. Obermayr & Gattin, Botsch. D. Ashbel & Gattin
Dir. Arik RavOn, Hans Rauscher
Präs.KerenHajessod KR. R. Steindling, Ö.Botsch. Mag. M. Rendi
Prinz Wolfgang v.u.z. Liechtenstein, Präsident Markus Büchel (Liechtensteiner Freunde v.YadVashem)
Gesandter Mag.Dr. D. Krumholz, Christa Raab
Prof. E. Lazarovits, 2. Vors. Ing. G. & U. Arthofer
Vorst.Mitglied Gerlinde Kropfmüller, Präs. IKG-Linz DI. G. Wozasek
IKG-Wien GenSekr. Mag. R. Fastenbauer, Nat.Präs. Mag. B. Prammer

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Buffet-Eröffnung
Gäste im Gespräch
OÖ.LAbg. G. Trübswasser, H. Rauscher
Obst. Barthou, Redakteur Wallner, Brig. Dr. Kaser, U. Schuster
Obst Barthou, ORF-Dir. OÖ. Dr. Obermayr & Gattin
Vors. G. Schuster, Botsch. Mag. M. Rendi
Präs. KR. R. Steindling, Vors. G. Schuster
Christa Raab, Mag. Philip List (Erste Bank Wien)
Ch.Lang, Präs.DI. Wozasek, GenSekr. Dr. Shaked, Dr. Egger
Vorst.Mitgl. Georg Schuster, HR Dr. Otto Lackinger
U. & Ing. G. Arthofer, Dr. A. Maislinger-Ö.Gedenkdienst
H. Rauscher, KR. M. Feyer & Gattin, P. Weidner & Gattin

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Ing. R. Patocka, RA Mag.Dr. F. Reif-Breitwieser
Prof. Mag. E. Degasperi & Gattin
Mag. H.Wildfellner, Vizepräs. AK OÖ. Chr. Lengauer, P. Weidner
Prinz W.Liechtenstein, Dir. A. RavOn, lic.jur. M. Büchel
Dr. M. Gollner, U. Arthofer, M. Arthofer, Präs.DI. G. Wozasek, Chr. Lang
Beamter d.LVT, Vorstandsmitglied Georg Schuster
Mag. H. Wildfellner & Begl., Mag. F. Schwanninger
Vorst.Mitglieder Edith Zwieb & Melanie Arthofer
U. & M. Schuster, HR Dr. R. Dyk, Präs. G. Wozasek
Vorst.Mitgl. Stefan Raab, Brigitte & Prof. Helmut Hammerschmid

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Marianne Jobst, Mirjam Schuster
Sigrid Wetzlmair, Prof. Ernö Lazarovits (Budapest)
Begrüßungsteam Ö. Freunde v. Yad Vashem
Gedenkdiener
Gregor M. Lepka, Dir. Manfred Wetzlmair (RaiBa St.Marienkirchen)
U. Arthofer, Prinz W. Liechtenstein, Fam. Schuster, Edith Rosenberg, Ing. G. Arthofer
Ing. G. Arthofer, Prinz W. Liechtenstein, U. Arthofer

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